Geo-Wandern und Insel-Hopping

Ostfriesland, Inseln Juist & Norderney

23.04. – 28.04.17 (ausgebucht)

 

Im Rahmen der Exkursion werden die Nordseeküste, Ostfriesland und die Ostfriesischen Inseln von unterschiedlichen Seiten beleuchtet. Dabei stehen das aktive Erleben der Natur, Landschaft und Geologie im Vordergrund. Ausgangspunkt der Exkursion ist Norden. Die älteste ostfriesische Stadt bildet zusammen mit dem Küstenbadeort Norddeich die Doppelgemeinde Norden-Norddeich. Von dort aus starten wir unsere Geo-Wanderungen und lernen die besonderen Landschaftselemente dieser Küstenregion kennen. Unsere Exkursion führt uns über Geest, Marsch, Moor und Watt bis auf die Düneninseln Juist und Norderney.

Geologisch betrachtet ist die heutige Verteilung von Meer und Land kein stabiler Endzustand, sondern eine vorübergehende, relativ ruhige Phase eines Entwicklungsprozesses, der zeitweilig höchst dynamisch verlaufen ist. Um die aktuelle Diskussion über Klimawandel und Meeresspiegelanstieg besser zu verstehen, lohnt sich ein Blick zurück in die Erdgeschichte. Nach Ende der letzten Eiszeit lag der Meeresspiegel weit unter dem heutigen Niveau, sodass weite Teile der Nordsee landfest waren und sogar eine direkte Verbindung zum heutigen Großbritannien bestand. Die nacheiszeitliche Klimaerwärmung führte zu einem weltweiten Abschmelzen der Gletscher und damit zu einem Meeresspiegelanstieg, der sich in der Nordsee in unterschiedlichen Phasen vollzog, die ausschlaggebend für die Entwicklung und Besiedlung des heutigen Küstengebietes aus Inseln und Marschflächen war.

Im UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer sind wir dem Wattwurm auf der Spur und suchen nach untergegangenen Dörfern.  Das Wattenmeer enthält viele Beispiele nacheiszeitlicher Küstengeomorphologie und der dynamischen Wechselwirkung physikalischer und biologischer Prozesse. Die geologische Entwicklung von Düneninseln, Salzwiesen und Watt ist untrennbar miteinander verknüpft. Erosion und Sedimentation sorgen für eine fortlaufende Umgestaltung dieses hochdynamischen Lebensraums. Besonderheit ist, dass die Veränderung der geomorphologischen Merkmale der Landschaft nicht Jahrtausende braucht, sondern schon innerhalb der Lebensspanne eines Menschen ablaufen kann. Weltweit gibt es nur sehr wenige Gebiete, wo man so direkt Zeuge der dynamischen Anpassung geologischer Prozesse innerhalb einer Generation werden kann.

Reiseverlauf

 

1. Tag:  Anreise, Check-In und Begrüßung

Individuelle Anreise nach Norden-Norddeich. Check-in im Hotel. Begrüßung durch die Exkursionsleitung. Infos und Organisatorisches
zu Exkursionsprogramm, Hotel, örtliche Gegebenheiten etc. sowie Ausgabe des Exkursionsskriptes. Gemeinsames Abendessen im Hotel.

 

2. Tag:  Ganztagesexkursion auf die Insel Juist mit Strandwanderung

(Fahrtzeit ca. 90 Minuten, Tagesrückfahrkarte ca. 22 €)

Nach dem Frühstück Abfahrt mit der Fähre vom Hafen Norddeich zur Ostfriesischen Insel Juist. Da Juist nur bei Hochwasser erreicht werden kann, bietet sich nur begrenzt die Möglichkeit die Insel für einen Tagesausflug zu besuchen. Juist hat ein ganz eigenes Zeitgefühl. Die Einheimischen nennen ihre Insel „Töwerland“ – ein plattdeutsches Wort für „Zauberland“. Den Zauber der Entschleunigung spürt man bereits, sobald sich die Fähre der autofreien Insel nähert. Die innere Uhr tickt langsamer, alle Eile schwindet und jegliche Hektik ist auf Juist chancenlos.

Wie an einer Perlenschnur aufgereiht erstrecken sich  die Ostfriesischen Inseln von West nach Ost auf rund 90 km Länge vor der niedersächsischen Küste. Zur Entstehung der Ostfriesischen Inseln selbst gibt es verschiedene Theorien, die bis heute sehr umstritten sind. Vor etwa 10.000 Jahren erstreckte sich das Festland noch weit in die heutige Nordsee hinein bis zur Doggerbank und zur englischen Küste. Als Folge der Eisschmelze nach der letzten Eiszeit und des dadurch bedingten Anstiegs des Meeresspiegels begann vor etwa 7500 Jahren eine Überflutung der heutigen Deutschen Bucht. Durch die Interaktion von aus Westen kommender Strömung und Wind lagerten sich Sandmassen ab, die sich zu Sandbänken und inselähnlichen Platen entwickelten. Die Sandakkumulationen, die bei Flut nicht mehr überschwemmt wurden, bildeten die Grundlage für die Ansiedlung von Pionier-pflanzen, die mit ihren Wurzeln den Sandboden verstärkten, was wiederum die Bildung von Dünen und das Wachstum der Insel ermöglichte. Im Schutze der Dünen entstehen auf den Inseln die großflächigen Salzwiesen. Die Kette der Düneninseln und Außensände schützt das dahinterliegende Watt und führt zur Entwicklung der großen Wattströme zwischen den Inseln mit den dazugehörigen Prielsystemen.

Unsere Wanderung führt uns westwärts vorbei am Leuchtturm. Auf einem Wanderweg entlang der Deichpromenade genießen wir den Blick auf die Insel, das Wattenmeer und das Festland. Nach einiger Zeit gelangen wir an den Hammersee, den größten Süßwassersee der Ostfriesischen Inseln. Der Hammersee kennzeichnet die Stelle, an der die Insel bei einer schweren Sturmflut, der Petriflut im Jahre 1651, zweigeteilt wurde. So mussten die Juister eine lange Zeit auf zwei Inseln leben. Erst 1932 konnten die getrennten Inselteile durch einen Dünendeich wieder verbunden werden. Die sog. Hammerdünen zählen heute zu den schönsten Dünen von Juist und es ist nur noch für den Fachmann zu erkennen, dass diese Dünen nicht von der Natur, sondern von Menschenhand geschaffen wurden.

Im Laufe der Zeit ging der Salzgehalt im Hammersee zurück. Jetzt ist es ein leicht brackiger Süßwassersee mit Schilfröhricht, umgeben von Dünenketten. Der Hammersee unterliegt einer ständigen Verlandung. Heute ist der See ein Biotop ersten Ranges und ein wichtiges Nahrungs- und Rastgebiet für Insekten und Vögel. Diese können Sie von der Aussichtsplattform hervorragend beobachten. Das legendäre Café Domäne Loog läd mit hausgemachtem Kuchen zum Verweilen ein. Unser Rückweg führt uns am feinsandigen Strand  entlang ins Zentrum von Juist.

 

3. Tag:  Norden: Die älteste Stadt Ostfrieslands

Frühstück und anschließend Fahrt mit dem Stadtbus nach Norden. An diesem Exkursionstag werden wir uns mit der Geschichte Ostfrieslands auseinandersetzen. Am Markplatz beginnt unsere Stadtführung durch die älteste Stadt Ostfrieslands. Anschließend besuchen wir das Ostfriesische Teemuseum im historischen Rathaus der Stadt Norden und erfahren im Rahmen einer Führung Einzelheiten über die „Welt des Tees“. Ausgehend von der ostfriesischen Teekultur eröffnet das Museum faszinierende Einblicke
in die Anbaugebiete, die Verarbeitung und Herstellung der berühmten ostfriesischen Mischung. Vom historischen Fernhandel
durch die asiatischen Steppen und die Weltmeere vorbei am Kap der Guten Hoffnung spannt sich der Bogen bis zu den heutigen Teegebräuchen in aller Welt. Bei einer original Ostfriesischen Teezeremonie verkosten wir anschließend den typischen Ostfriesentee.
Dazu wird frischer Rosinenstuten gereicht.

In der stadtgeschichtlichen Abteilung lädt das Museum auf einen rund 5000-jährigen Gang durch die Norder Geschichte vom ersten Zeugnis menschlichen Lebens im Norderland über die mittelalterliche Geschichte von Häuptlingen und Burgen bis zum Nordseetourismus dieser Tage ein. Heute ist Norden durch die erfolgreichen Ostfrieslandkrimis des Autors Klaus-Peter Wolf besonders als kriminalistischer Schauplatz bekannt und bietet ab 2017 Kulisse einer umfangreichen ZDF Produktion.

In Norden besteht die Gelegenheit für eine Mittagspause in den zahlreichen kleinen Restaurants der Altstadt. Der Nachmittag ist zu freien Verfügung. Nutzen Sie die Zeit für einen ausgiebigen Stadtbummel oder entspannen Sie im hoteleigenen Sauna- und Wellnessbereich.

 

4. Tag: Ganztagesexkursion Insel Norderney mit Strand- und Dünenwanderung

(Fahrtzeit ca. 45 Minuten, Tagesrückfahrkarte 18 €)

Nach dem Frühstück  Abfahrt der Fähre vom Hafen Norddeich zur Insel Norderney. Unsere Wanderung führt uns durch die ausgedehnte Dünenlandschaft Norderneys. Dort betrachten wir uns die natürliche Dünenzonierung von der Weißdüne über die Graudüne bis hin zur Braundüne mit ihren typischen Böden und Pflanzen. Besonders die Früchte des Sanddorns sind für ihren hohen Vitamin-C-Gehalt bekannt und werden auf der Insel insbesondere in Nahrungsmitteln und Getränken sowie in Hautpflegeprodukten verarbeitet. Dünenschutz ist Inselschutz. So dienen besonders Strandhaferpflanzungen dazu die Randdünen vor der Erosion durch Wind und Wasser zu schützen. Am Strand entlang geht es in Richtung Inselosten. Hier beginnt die ursprüngliche Natur der Insel: weite Strände, unberührte Dünen und das UNESCO-gekrönte Wattenmeer. Auf unserem Rundweg widmen wir uns der Entstehung dieser Düneninsel mit ihren typischen Elementen Strand, Dünen, Salzwiesen, Watt und Prielen.

Der Aufstieg Norderneys zum ersten deutschen Seebad begann 1800 mit der Geschichte des Bädertourismus und ist bis heute einzigartig an der deutschen Nordseeküste. Infolge der starken Gezeitenströmung driftet Norderney - wie die anderen Ostfriesischen Inseln - in östliche Richtung ab. Das Fundament der Insel besteht am Westkopf aus verschiedenen Ton-, Klei- und Lehmschichten, wodurch massive Insel-schutzmaßnahmen nötig wurden. Durch das im Jahr 1858 angelegte Deckwerk und sich jährlich wiederholende Sandvorspülungen konnte der westliche Inselkopf gegen die Gezeitenkräfte und die damit verbundene Küstenerosion gesichert werden.

Die Fähren zurück aufs Festland fahren stündlich, sodass am Nachmittag noch etwas Zeit bleibt die Insel auf eigene Faust zu erkunden
oder in der legendären Milchbar mit Blick aufs Meer einen Sundowner zu genießen.

 

5. Tag: Wattwanderung (fakultativ) zur Itzendorfer Plate*

(*evtl. witterungsbedingte oder tideabhängige Änderungen)

Von Norddeich aus führt uns unser staatlich geprüfter Nationalpark-Wattführer zur Itzendorfer Plate. Die große Weihnachtsflut von 1717 markiert das Schicksalsdatum für Itzendorf, jener heute versunkene Küstenort nordöstlich des Nordseeheilbads Norden-Norddeich. Die kleine Siedlung mit Hafen – einst Stammsitz der stolzen ostfriesischen Häuptlingsfamilie Itzinga – gelangte als Zentrum der ostfriesischen Torfsalzgewinnung zu Bekanntheit und gerade deshalb just zum Christfest 1717 in arge Bedrängnis. So hat der Torfabbau die Küstenerosion beschleunigt. Die Torfflächen im Deichvorland wurden abgesenkt und damit den Sturmfluten stärker ausgesetzt. Heute erinnert die Itzendorfer Plate, eine Untiefe vor der Norddeicher Küste, an das Schicksal jenes unglückseligen Ortes. Alte Seebären indes behaupten, noch heute könne man in manch stürmischer Nacht die Glocken der versunkenen Kirche von Itzendorf hören…

Weiterer Fokus unserer Wattwanderung ist das UNESCO Weltnaturerbe, die Ökologie des Wattenmeeres mit seinen typischen Pflanzen sowie deren Anpassungsstrategie an extreme Lebensbedingungen. Die morphologische Entwicklung des Ökosystems Wattenmeer wird im Wesentlichen von den Gezeiten dominiert, aber auch Windbelastungen und Wellen spielen eine wesentliche Rolle. Die für jedermann am eigenen Leib erlebbaren Sandverlagerungen bei starkem Wind an den Stränden der Ostfriesischen Inseln, die letztendlich die Dünenbildung und ihre Dynamik bewirken oder auch die Veränderungen ganzer Watt-Prielsysteme nach einer schweren Sturmflut, zeigen die Auswirkungen dieser beiden Kräfte in beeindruckender Weise.

 

Seehundstation Norddeich / Strandnachmittag

Am Nachmittag besteht fakultativ die Möglichkeit die Seehundstation in Norddeich zu besuchen. Sie ist eine anerkannte Betreuungs-station für Meeressäuger. Zwischen 80 und 150 verwaiste Seehunde und Kegelrobben werden jährlich aufgezogen und in die Nordsee zurückgebracht. Die Station ist zuständig für das gesamte Niedersächsische Wattenmeer. Neben der Aufzucht der mutterlosen Tiere stehen Forschung und Umweltbildung im Vordergrund. Eine Dauerausstellung und wechselnden Sonderausstellungen informieren
über den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Bei herrlichem Sonnenschein können Sie auch ihre Reise im Strandkorb ausklingen lassen.

 

6. Tag: Check-out, Abreise

Frühstück und Check-out, ggf. Transfer zum Bahnhof Norddeich und individuelle Heimreise. Oder wie wäre es mit einer individuellen Verlängerung oder ein paar Urlaubstagen auf einer der schönen Ostfriesischen Insel?

Unterkunft:

3* Hotel  Aquarius in Norddeich

Die hellen und geräumigen Doppelzimmer (Nichtraucher) "Classic Style" sind ca. 24 m2 bis 26 m2 groß. Jedes Zimmer ist ausgestattet mit einem 32" Flatscreen, einer Kaffee- und Teestation, teilweise mit Telefon. In den Badezimmern gibt es einen Fön und eine Badewanne. Das Hotel verfügt über einen Wellnessbereich mit beheiztem Schwimmbad und Saunalandschaft. Zum Strand von Norddeich sind es ca. 15 Gehminuten.

 

Leistungen:

  • 5 x Übernachtungen im 3* Hotel in Norddeich (Doppelzimmer „Classic Style“)

  • 5 x 2-Gang-Abendmenü inkl. Tischgetränke zu den Mahlzeiten

    (Softgetränke, Bier Wein, Säfte)

  • 5 x reichhaltiges Frühstücksbuffet

  • kostenlose Nutzung der Saunalandschaft (Finnische Sauna 85°C, Saunakota 75°C)

  • kostenlose Nutzung des beheizten Hallenbades (Leihbademäntel gegen Gebühr)

  • kostenloses WLAN

  • kostenlose Parkplätze

  • kostenloser Transfer vom Bahnhof Norddeich inkl. Gepäcktransport

  • alle geowissenschaftlichen Führungen und Wanderungen durch die Exkursionsleitung

  • 1 x Geo-Wanderung und Inselführung auf Norderney

  • 1 x Geo-Wanderung und Inselführung auf Juist

  • 1 x ausführliches Exkursionsskript

  • 1 x Stadtführung in Norden mit qualifiziertem Stadtführer

  • 1 x Eintritt und Führung im Ostfriesischen Teemuseum in Norden

  • 1 x Ostfriesische Teezeremonie inkl. Teetafel mit frischem Rosinenstuten

  • 1 x gesetzliche Reisegeldabsicherung (Reisepreissicherungsschein)

 

Reisepreis:

599 € pro Person im Doppelzimmer inkl. Halbpension

70 € Einzelzimmerzuschlag*

(*Einzelzimmer sind Doppelzimmer zur Alleinbenutzung)

 

Teilnehmer:

6 – 15 Personen

 

 Anmeldeschluss:

20.03.17

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