Bildungsurlaub Sylt 3

Eine Nordseeinsel vor dem Hintergrund

von Klimawandel und Meeresspiegelanstieg

03.12.17 - 08.12.17

 

Sylt ist mit seiner Nord-Süd-Erstreckung von knapp 40 km Länge und einer Fläche von 99 km² die größte deutsche Nordseeinsel. Weite Teile der Insel stehen unter Naturschutz oder gehören zum UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer. Im Nationalpark stehen Umwelt- und Naturschutz oft im Widerstreit zu politisch-wirtschaftlichen und sozialen Interessen der ansässigen Bevölkerung. Durch die Vernetzung unterschiedlicher Lebensräume ergeben sich oftmals Nutzungskonflikte. Wie lassen sich die verschiedenen Interessensgruppen Tourismus, Küstenschutz, Fischerei und Landwirtschaft mit den Naturschutzzielen des Nationalparks vereinbaren? Anhand von Beispielen soll erarbeitet werden, wie die verschiedenen Ansprüche in Einklang gebracht werden können.

Durch ihre extrem westliche Lage und Exposition in Bezug zur Hauptwind- und Wellenrichtung ist Sylt der Erosion besonders stark ausgesetzt und bildet dadurch eine Schutzbarriere für das dahinter liegende Wattenmeer und die östlich liegenden Festlandsbereiche von Schleswig-Holstein. Seegang, Brandung und Tidenströmung führen an der Westküste Sylts zu starken Abbrüchen. Der ständige Abtrag von Strand und Vorstrand bei normalen Bedingungen durch Seegangs- und Gezeitenkräfte sowie der Abbruch von Düne und Kliff bei schweren Sturmfluten führen zu Überflutungen und dem permanenten Rückgang der Westküste.

Im Rahmen des Bildungsurlaubes wird das Ökosystem Sylts von unterschiedlichen Seiten beleuchtet. Themen des Klima-, Natur- und Umweltschutzes stehen dabei im Vordergrund. Durch Exkursionen erhalten die Teilnehmer(innen) intensive Einblicke in die Besonderheiten des Naturraumes der in großen Teilen vom Menschen geprägt ist.

Geologisch betrachtet ist die heutige Verteilung von Meer und Land kein stabiler Endzustand, sondern eine vorübergehende, relativ ruhige Phase eines Entwicklungsprozesses, der zeitweilig höchst dynamisch verlaufen ist. Um die aktuelle Diskussion über Klimawandel und Meeresspiegelanstieg besser zu verstehen lohnt sich ein Blick zurück in die Erdgeschichte. Nach Ende der letzten Eiszeit vor ca. 10.000 Jahren lag der Meeresspiegel ca. 130 m unter dem heutigen Niveau, sodass weite Teile der Nordsee landfest waren und sogar eine direkte Verbindung zum heutigen Großbritannien bestand. Eine Tatsachse, die in der heutigen Debatte um den BREXIT und die geopolitische Inselstellung Großbritanniens kaum mehr vorstellbar ist.

Die nacheiszeitliche Klimaerwärmung führte zu einem weltweiten Abschmelzen der Gletscher und damit zu einem Meeresspiegelanstieg, der sich in der Nordsee in unterschiedlichen Phasen vollzog, die ausschlaggebend für die Entwicklung und Besiedlung des heutigen Küstengebietes aus Inseln und Marschflächen war. Dieser „natürliche“ Meeressspiegelanstieg ist jedoch nicht zu verwechseln mit der heutigen „menschgemachten“ globalen Erwärmung. Das Thema „Erneuerbare Energie“ wird oft als Lösung zur Verringerung der Treibhausgasemission gesehen. Vor der Westküste Sylt entstehen seit 2014 zahlreiche große Offshore-Windparks. Doch welche Konflikte ergeben sich durch das Nebeneinander von Windkraft, Naturschutz und Tourismus?

Programm:

 

Montag:

09:00 – 13:00 Uhr            Begrüßung, Seminar und Einführungsvortrag zur Insel Sylt

13:00 – 14:00 Uhr            Mittagspause

14:00 – 16:00 Uhr            Rantum: Naturkundliche Exkursion von den Dünen bis zum Watt

Dünen sind auf der Insel Sylt weit verbreitet und nehmen etwa 40 % der Inselfläche ein. 
Dünen zählen allgemein hin zu den wichtigsten geologischen Formen im Bereich der Küste.
Nach ökologischen Kriterien unterscheidet man auf Sylt von West nach Ost eine Zonierung
mit den Dünengenerationen: Primärdüne, Weißdüne, Graudüne und Braundüne. Wir lernen
die unterschiedlichen Naturräume vom Strand bis zum Watt kennen, besuchen die engste
Stelle der Insel und diskutieren über die Problematik eines Inseldurchbruchs vor dem Hinter-
grund eines steigenden Meeresspiegels.

Dienstag:

09:00 – 12:00 Uhr            Exkursion zum Morsum Kliff im Osten Sylts

Die Insel Sylt gehört zu den wenigen Gebieten in Schleswig-Holstein in denen voreiszeitliche
Ablagerungen zu Tage treten. Die ältesten Gesteine Sylts sind im Morsum Kliff an der Ostküste
der Insel zu sehen und stellen ein Fenster in die Vergangenheit dar.

  • Wanderung entlang des Morsum Kliffs mit ausführlichen Erläuterungen zur Geologie
  • UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer, Ökologie des Wattenmeeres

12:00 – 13:00 Uhr            Mittagspause im Gelände (ggf. Einkehr im Gasthaus)

13:00 – 16:00 Uhr            Sylt heute und gestern: Exkursion nach Keitum

An diesem Exkursionsnachmittag werden wir uns intensiv mit der Geschichte Sylts auseinandersetzen.

Hügelgrab Tipkenhoog

Megalithgräber zeugen von den ersten Besiedlungen in der Jungsteinzeit und sind überall auf Sylt verbreitet. Insgesamt wurden für die Nordfriesischen Inseln über 1500 Grabhügel nachgewiesen. Der Tipkenhoog nahe Keitum gewährt uns einen Einblick in die prähistorischer Besiedlungsgeschichte Sylts.

Kirche St. Severin

Die evangelisch-lutherische Kirche St. Severin steht abseits des Ortes auf der höchsten Erhebung des Sylter Geestkerns. An dieser Stelle befand sich in vorchristlicher Zeit ein Odinheiligtum. 1240 wurde St. Severin erstmals urkundlich erwähnt und ist damit der älteste Sakralbau in Schleswig-Holstein. Der heutige Turm
wurde um das Jahr 1450 errichtet und diente bis 1603 als Seezeichen.

Heimatmuseum

Das Sylter Heimatmuseum befindet sich oberhalb des grünen Kliffs in Keitum in einem alten Kapitänshaus
von 1759. Von hier aus tauchen wir in die bewegte Geschichte der Insel Sylt ein und informieren uns z. B.
über die glanzvolle Zeit des Sylter Walfangs und über das Leben bedeutender Inselpersönlichkeiten.

Altfriesisches Haus

Im Altfriesischen Haus in Keitum wird die Wohnkultur des 18. Jahrhunderts originalgetreu dokumentiert.
Das Haus wurde 1739 erbaut und zeigt damit die typische Bauweise dieser Zeit. Eigentümer des Hauses
war der Sylter Lehrer und Chronist Christian Peter Hansen, der bis zu seinem Tod 1870 das Haus mit seiner Familie bewohnte. Die Einrichtung wurde weitestgehend in seinem ursprünglichen Zustand erhalten, sodass
Sie sich beim Besuch des Altfriesischen Hauses in das 18. Jahrhundert zurückversetzt fühlen werden.

Mittwoch:

09:00 – 13:00 Uhr            Exkursion zum Roten Kliff bei Kampen

Sylt – Quo Vadis? Vergangenheit und Zukunft einer Nordseeinsel:

Wanderung entlang des Roten Kliffs mit ausführlichen Erläuterungen zu Küsten- und Naturschutz,
Ökologie, Geologie und Eiszeiten

  • Sturmfluten und Küstenerosion am Roten Kliff vor dem Hintergrund von Meeresspiegelanstieg
    und Klimawandel
  • Wie sinnvoll sind Küstenschutzmaßnahmen auf Sylt?

13:00 – 14:00 Uhr            Mittagspause im Gelände

14:00 – 16:00 Uhr            Exkursion nach Westerland

                                            Pro & Contra des Tourismus auf Sylt

                                            Stadtgeschichte: Der Aufstieg Westerlands zum Seebad

Nachdem bei der Allerheiligenflut am 1. November 1436 der Ort Eidum vollständig zerstört wurde,
gründeten die Überlebenden nordöstlich der alten Siedlung einen neuen Ort, das heutige Westerland. Westerland bestand noch bis 1778 lediglich aus 124 Häusern und war so arm, dass kein einziger Landbesitzer sich von seinem Land ernähren konnte, weil das fruchtbare Marschland entweder von der See weggespült wurde oder von den Dünen versandete.

Im Jahr 1855 erhielt der Ort das Prädikat eines Seebades. Die rund 500 Einwohner beherbergten in der
ersten Saison 98 Gäste. Eine Erfolgsgeschichte, die sich bis heute fortsetzt. Doch was sind die Vor- und
Nachteile der Erschließung der Insel für den Tourismus? Welche Folgen haben der Bauboom und der
horrende Anstieg der Immobilienpreise für die Insulaner? Inwieweit werden sich die Einheimischen Ihre
Insel noch leisten können? Wann ist das Ende der Fahnenstange erreicht?

Anhand von Beispielen wird auf die Probleme des angespannten Wohnungsmarktes auf Sylt eingegangen.
Seit mehreren Jahren herrscht, bedingt durch die steigende Anzahl an Zweitwohnsitzen, ein Wohnungsnotstand für Insulaner. Die Zahl der Tagespendler steigt, Einheimische zieht es aufs billigere Festland was allmählich zum Verlust der Heimat führt.

Donnerstag:

09:00 – 13:00 Uhr             Erlebniszentrum Naturgewalten und Hafen von List

Qualifizierte Gruppenführung mit anschließendem Besuch  der Ausstellung zu den Themen:
Klima, Wetter, Klimaforschung, Naturgewalten und Sturmfluten

13:00 – 14:00 Uhr            Mittagspause (ggf. Einkehrmöglichkeit am Hafen)

14:00 – 16:00 Uhr            Wattwanderung zu den Sylter Austernbänken

Vor Sylt gab es bis Anfang des 20. Jahrhunderts natürliche Bänke der Europäischen Auster. Durch
Überfischung ist diese Art jedoch ausgestorben. Zum Vorteil der Sylter Gastronomie wird seit 1986
die ursprünglich aus Japan stammende Pazifische Felsenauster im Lister Wattenmeer großgezogen.
Dadurch können die Gäste wieder frische Sylter Austern genießen. Allerdings führt die Ausbreitung
neuer Arten im Wattenmeer oftmals zur Zerstörung des ökologischen Gleichgewichtes.

Freitag:

09:00 – 12:00 Uhr            Exkursion zur Hörnum Odde

Auf einer Wanderung um die Südspitze stehen die Themen im Vordergrund:

  • Klimawandel, Sturmfluten, Küstenschutz an der Sylter Südspitze
  • Wie schwer ist der Landverlust auf Sylt wirklich?
  • Welche Rolle spielt die Politik bei der Erhaltung des Sylter Ist-Zustandes?

Die Sylter Südspitze ist am stärksten von der Küstenerosion betroffen. Schwere Sturmfluten in den
vergangenen Jahren haben zu enormen Landverlusten geführt. Zum Schluss drängt sich die Frage auf,
wie lange Sylt noch zu halten sein wird und welche Rolle die Politik für die Zukunft der Insel spielt?

12:00 – 13:00 Uhr            Mittagspause

13:00 – 14:00 Uhr            Abschlussdiskussion, Zusammenfassung der Lerninhalte, Fazit

Unterkunft, Tagungsstätte, Seminarraum:

Unterkunft „Seminar- und Gästehaus Friedrichhain in Westerland“

Unser Seminarhaus befindet sich in Westerland in ruhiger Ortsrandlage nahe der Nordseeklinik und unmittelbar am Wäldchen Friedrichshain und verfügt über geräumige, funktionell eingerichtete Einzel- und Doppelzimmer inkl. Dusche/WC und teilweise mit Balkon. Zum Strand, Bäcker, Supermarkt sind es nur wenige Minuten. Parkplätze stehen vor dem Haus kostenlos zur Verfügung.

Durch sehr gute direkte Bahnverbindungen ist Sylt optimal erreichbar. Eine Bushaltestelle befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Seminarhaus. Aus diesem Grund werden die im Bildungsurlaub vorgesehenen Exkursionsstandorte direkt mit dem ÖPNV angefahren, sodass die Teilnehmer kein eigenes Auto benötigen.

Ein Garten sowie ein gemütlicher Aufenthaltsraum bieten der Gruppe ausreichend Platz zum Frühstücken und zur Geselligkeit. Im Rahmen ganztägiger Exkursionen wird das Mittagessen unterwegs eingenommen. Meist besteht die Möglichkeit der Einkehr in ein Restaurant.

Unserer Gruppe steht ein Seminarraum zur Verfügung, der ein intensives und ungestörtes Arbeiten ermöglicht. Für die Exkursionen wird Ihnen ein umfangreiches Exkursionsskript ausgeteilt.

 

Leistungen:

  • 5 x Übernachtung inkl. Frühstück im Seminarhaus Friedrichhain in Westerland/Sylt*
    *(es besteht nur ein begrenztes Zimmerkontingent, frühzeitige Anmeldung erforderlich)
  • 1 x gesetzliche Reisegeldabsicherung (Reisepreissicherungsschein)
  • Durchführung des Seminars
  • Exkursionen und Wanderungen auf Sylt
  • wissenschaftliche Vorträge
  • seminarbegleitende Unterlagen
  • ausführliches Exkursionsskript

 

Preise:

Unterkunft:

Anreise und Check-in bereits am Vorabend

215 € pro Person im Doppelzimmer inkl. Frühstück

285 € pro Person im Einzelzimmer inkl. Frühstück

 

Seminarpreis:

345 € pro Person

Sollten Sie keine Unterkunft benötigen, können Sie trotzdem am Bildungsurlaub teilnehmen und
zahlen lediglich den Seminarpreis von 345 € pro Person.

 

Teilnehmer:

6 - 18 Personen

 

Anmeldeschluss:

29.10.17

Druckversion Druckversion | Sitemap
Copyright by Dr. Tillmann Travel - Geostudienreisen & Exkursionen